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Erzgänge im Freiberger Revier

 
Als Erzgang wird eine mit Erzmineralen ausgefüllte Spalte in der Erdkruste bezeichnet.   Erzgänge im Freiberger Revier (nach C.H.Müller)
Erzgänge im Freiberger Revier (nach C.H.Müller)
 
1968 formulierte O. Wagenbreth die Entstehung der Erzgänge wie folgt: "Im Laufe der Gebirgsbildungsperioden setzten tektonische Kräfte die Erdkruste so in Spannung, daß bei Überschreitung der Gesteinsfestigkeit Brüche auftreten, dabei Erdbeben die beteiligten Schollen der Erdkruste erschütterten und diese gegenseitig verschoben wurden. Die Brüche öffneten sich durch das Auseinanderrücken der beiderseitigen Erdkrustenschollen zu Spalten und anschließend drangen - meist aus tieferen Bereichen - mineralische Lösungen oder Gesteinsschmelzen in die Spalten ein, füllten diese mit Mineralen und Gesteinen und bildeten somit Gänge. Je nach Füllung dieser Gänge ... unterscheidet man Erzgänge, Mineralgänge und Gesteinsgänge."
Die Erze des Freiberger Raumes entstanden als Ergebnis zweier Mineralisationszyklen und unterteilen sich in die Gangformationen Kiesig-blendige Bleierzformation (kb), Edle Braunspatformation (eb), Eisen-Baryt-Formation (eba), Flourbarytische Bleierzformation (fba) und Bi-Co-Ni-Ag-Formation ("Edle Geschicke").
Die Erzgänge verlaufen vorwiegend in Nord-Süd-Richtung und Ost-West-Richtung. Die Gangspalten lassen sich durch den horizontalen Verlauf (Streichen der Gangspalten), die Neigung (das Einfallen) und die Breite der Gangspalten (Gangmächtigkeit) beschreiben. Nach dem Streichen unterscheidet man die Gangspalten in 4 Gruppen:
Stehende Gänge (Sth.)   0° - 45°   N-S bis NO-SW
Morgengänge (Mgg.)   45° - 90°   NO-SW bis O-W
Spatgänge   90° - 135°   O-W bis SO-NW
Flache Gänge (Fl.)   135° - 180°   N-S bis NW-SO
 
 
 
Bezeichnung der Freiberger Gänge
Bezeichnung der Freiberger Gänge nach der Streichrichtung
  Tafel George Spat
Gangtafel
  Wurde ein neuer Erzgang entdeckt, so gaben ihm die Bergleute einen Namen, der sich aus der Gangrichtung in Verbindung mit einem frei wählbaren Namen zusammensetzte, z.B. Hauptstollngang Stehender oder George Spat.
Die Mächtigkeit der Freiberger Gänge liegt zwischen einigen Millimetern bis zu 6 m. Die meisten Gänge haben eine Mächtigkeit von 10 bis 50 cm. Die Längenausdehnung beträgt zwischen einigen hundert Metern bis zu 15km. Bergmännisch aufgeschlossen sind Gänge bis zu 750m. Im Freiberger Revier sind über 1000 Erzgänge bekannt.
 
 
 

Bedeutende Erzgänge im Freiberger Bergbaurevier

Haupstollngang Stehender   von Tuttendorf bis Zug,
ca. 10km lang
  Thurmhof - Gangzug
Thurmhof - Gangzug in Freiberg, verändert nach (3)
Thurmhof Stehender   im Raum Freiberg - Zug
insgesamt 15 untere und 11 obere Maßen;
(Ausschnitt siehe Abbildung)
Hohe Birke Stehender   im Raum Freiberg - Zug
ca. 4,5km lang
Halsbrücker Spatgang   Großschirma - Halsbrücke
ca. 7km lang und bis zu 6m mächtig
Neue Hoffnung Flacher   Grube Himmelfahrt bei Freiberg
reiche Silbererzfunde an Gangkreuzen mit verschiedenen stehenden Erzgängen
Kirschbaum Stehender   Grube Himmelfahrt
Gottlob Morgengang   Grube Himmelfahrt
 
     
 

Hauptminerale der Freiberger Erzgänge

Galenit (Bleiglanz)
PbS - Blei-Schwefel-Verbindung - besitzt eine gute Spaltbarkeit und enthält 87% Blei sowie einen geringen Silbergehalt. Während der letzten Betriebszeit lag der Silbergehalt bei etwa 0.02%, in früheren Zeiten konnte bis zu 0,3% enthalten sein. An frischen Bruchstellen zeichnet sich Galenit durch einen hohen Glanz aus.
  Galenit
Sphalerit (Zinkblende)
ZnS - Zink-Schwefel-Verbindung - wichtigstes Erzmineral für die Zinkgewinnung. in den Freiberger Erzgängen ist hauptsächlich der schwarze eisenreiche Sphalerit (ca. 51% Zn und bis zu 15% Fe)zu finden.
  Sphalerit, Siderit, Quarz
Ge - trat in Freiberg sowohl als Spurenelement in Sphalerit auf als auch in Form des Argyrodits (Ag8GeS6). Der Freiberger Professor Clemens Winkler entdeckte 1886 bei der Analyse des Argyrodits der Grube "Himmelsfürst" das Element Germanium, dessen Existenz bereits 1871 vom russischen Professor Mendelejew bei der Aufstellung des "Periodischen Systems der Elemente" vorhergesagt wurde.   Argyrodit
Pyrit
FeS2 - auch Schwefelkies oder Eisenkies genannt, gehört zur Mineralklasse der Sulfide. Sein Name leitet sich von dem griechischen Wort pyr - "Feuer" ab, da Pyrit auch als Feuerstein verwendet wurde. Er ist metallglänzend, hell messinggelb gefärbt mit einer Härte von 6 bis 6,5 und einer Dichte von 4,95 bis 5,2g/cm3. Aufgrund seiner Farbe wird Pyrit auch oft als "Katzengold" bezeichnet
Chalkopyrit
CuFeS2 - Kupferkies bzw. Kupfereisensulfid. In den Freiberger Erzgängen wurde Chalkopyrit nur in geringen Mengen gefunden. Sein Name leitet sich von den griechischen Wörtern chalkos - "Kupfer" und pyr - "Feuer" ab. Chalkopyrit ist metallglänzend, messinggelb, bis ins grünliche mit einer Härte von 3,5 - 4 und einer Dichte von 4,1 - 4,2g/cm3.
 
Arsenopyrit
FeAsS - Arsenkies, oft mit dem Pyrit verwachsen. Im Freiberger Raum war Arsenkies in großen Mengen vorhanden. Arsenkies ist metallglänzend, zinnweiß bis stahlgrau mit einer Härte von 5,5 - 6 und einer Dichte von 5,9 - 6,2g/cm3. Beim Anschlagen mit dem Hammer verströmt Arsenopyrit einen Knoblauchgeruch.
Pyrargyrit Ag3SbS3 - dunkelrotes bis blau-graues, diamantglänzendes Mineral der Härte 2,5 - 3 und einer Dichte von 5,8g/cm3. Proustit Ag3AsS3 - hell scharlachrot bis rotoranges , diamant glänzendes Mineral der Härte 2,5 und einer Dichte von 5,6g/cm3. Mit 60% Silberanteil bildeten die Rotgültigerze im Freiberger Bergbaurevier die häufigsten und wichtigsten Silbererze.   Proustit
Ag - metallglänzendes Mineral der Härte 2,5 - 3 und einer Dichte von 9,6 - 12g/cm3. Die blatt- oder baumförmigen Kristallbildungen werden als Dendrite (griechisch dendron = Baum) bezeichnet.   Silber
SiO2 - ist die Hauptgangart der Freiberger Erzgänge. Seine Farbe reicht von farblos (Bergkristall) über weiß (Milchquarz) bis zu violett (Amethyst) oder rot (Achat). Quarz besitzt eine Härte 7 und einer Dichte von 2,65g/cm3. Er gehört zu den am weitverbreitesten gesteinsbildenden Mineralien der oberen Erdkruste.   Quarz
Sammelbegriff für die Carbonate Siderit (FeCO3 - dunkelbraun) Manganspat (MnCO3 - braun-rosa) Braunspat (Ca, Fe, Mn, Mg)(CO3 - cremegelb)2 und Kalkspat (CaCO3 weiß - Calcit). Kalkspat tritt als Träger der jüngeren Silberminerale auf. Die Karbonspäte sind auf fast allen Freiberger Erzgängen verbreitet.   Shalerit, Siderit, Quarz
BaSO4 auch als Schwerspat, aufgrund der relativ hohen Dichte (4,48g/cm3, Härte 3 - 3,5) bezeichnet. Er ist als reinweißes bis cremefarbiges Gangmineral im Norden des Freiberger Reviers auf den W_O-streichenden Gängen zu finden.   Baryt
CaF2 - auch als Flußspat bezeichnet. Fluorit tritt in sehr unterschiedlichen Farben auf von grün, gelb bis blauvioltett, teilweise auch farblos. Er tritt zusammen mit Blei- Zink- und Silbersulfiden auf. Fluorit hat eine Härte von 4 und eine Dichte von 3,1 bis 3,2g/cm3.   Fluorit
 

 
Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden
Aufnahmen: A. Massanek - Minerale; B. Bicher - Gangtafel
 
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letzte Änderung: 07/04
Redaktion: B.Bicher
Gestaltung: B.Bicher