Freiberg, Obermarkt 17

Freiberg - Bürgerhaus Obermarkt 17

An der Nordseite des Obermarktes befindet sich das höchste Freiberger Bürgerhaus (16 m Fassadenhöhe und 32 m bis zum First). Das jetzige Gebäude wurde um 1530 erbaut. In früherer Zeit befanden sich an dieser Stelle zwei Häuser, deren Giebelseiten zum Markt zeigten. Die Größe des Hauses und das reich gestaltete Renaissanceportal deuten auf einen sehr wohlhabenden Bauherren und Besitzer hin. Der Erbauer, Georg Lißkirchner, war nach einer Steuerschätzung im Jahre 1546 der zweitreichste Mann in Freiberg.

Das Sandsteinportal wurde vom Steinmetz Paul Speck (1557 in Leipzig verstorben) gefertigt und gilt als kunsthistorisch bedeutendstes Bürgerhausportal in Freiberg. Im Tympanon (Fläche auf dem Giebel über dem Türsturz von Portalen) sind Bergleute bei ihrer Arbeit im Bergbau dargestellt. Die Bildnisse in den Medaillons zeigen wahrscheinlich Georg Lißkirchner und seine Frau Barbara.

Neben dem Portal sind noch einige weitere Details aus dem 16. Jahrhundert vorhanden. So zum Beispiel der gewaltige heute sanierte Dachstuhl, eine hölzerne Wendeltreppe mit offener profilierter Spindel und Blockstufen sowie mehrere Innenraumportale. Leider wurden im Verlaufe der Zeit durch mehrere Umbauten die wahrscheinlich reich gestalteten Holzdecken und Wandvertäfelungen beseitigt. Ende des 16. Jahrhunderts wurden alle Decken des Hauses durch Kassettendecken im Stil der Spätrenaissance ersetzt. Diese wiederum wurden größtenteils im 18. Jahrhundert durch Stuckdecken ersetzt. Heute ist nur noch ein kleiner Teil der damaligen Kassettendecken aus dem 3. Obergeschoss erhalten und im 1. Obergeschoss zu sehen.

Das Haus wurde mehrfach restauriert. Die Ladeneinbauten erfolgten schon in den Jahren 1874 bis 1880, dabei wurde das Portal stark verändert. 1965 wurden die Schaufenster im Erdgeschoß einfacher gestaltet, es wurde jedoch versucht, das Portal wieder zu vervollständigen. Bei der Erneuerung 1986 zur 800-Jahr Feier Freibergs wurden die Fassade und das Portal umfassend rekonstruiert. Die originalen Teile des Tympanon werden seitdem im Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum aufbewahrt und wurden durch Kopien ersetzt.
Die bedeutendste Mieterin des Hauses war zweifellos die Gattin des Herzog Heinrich der Fromme, welche nach dessen Tod eine Wohnung im Haus am Obermarkt 17 bezog.
 
 
 
   Home    Bildergalerie    Stadtansichten    Bürgerhäuser