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Grabentour von Krummenhennersdorf nach Reinsberg

 
im Bobritzschtal   Einer der schönsten Wanderwege in Sachsen ist die sogenannte Grabentour von Krummenhennersdorf nach Reinsberg im Tal der Bobritzsch. Die Grabentour hat ihren Namen von einem in der Zeit von 1844-1846 angelegten Grabensystem. Das Grabensystem war eine bergmännische Hilfsanlage zur Bereitstellung von Aufschlagwasser zum Betreiben der Bergbaumaschinen.  
 
Grabentour   Der Bergbau im Freiberger Revier war soweit fortgeschritten, dass der Abbau des Erzes in tiefergelegenen Schichten erfolgte. Hier störte jedoch das anstehende Grundwasser. Bis zu dieser Zeit wurde das Grundwasser über ein 120 km langes Entwässerungssystem in die Freiberger Mulde geleitet. Um noch tiefer vorzudringen bedurfte es neuer Lösungen betreffs der Wasserhaltung. So begann man 1844 mit dem Bau des Rothschönberger Stollns. Dieser sammelte das Grundwasser der Freiberger und Brand Erbisdorfer Bergbaureviere und leitete es über die Triebisch in die Elbe. Damit der Bau des Stollns möglichst schnell vorankam, wurden Lichtlöcher geteuft, dadurch konnte der Stolln gleichzeitig in zwei Richtungen getrieben werden. Das abgebaute Gestein wurde mittels Wasserkraft zu Tage gefördert und um dieses Aufschlagwasser für das 4. und 5. Lichtloch des Rothschönberger Stollns bereitzustellen, wurde das Grabensystem der Grabentour angelegt.  
Lageskizze  
 
Der 3,557 km lange Graben unterteilt sich in 1652 m offener Graben und 1905 m Röschen.
Die Grabentour beginnt in Krummenhennersdorf links neben der ehemaligen Wünschmann-Mühle. In früheren Zeiten hatte diese Bäckermühle das Privileg Brot nach Freiberg liefern zu dürfen, heute ist sie als technisches Denkmal erhalten und kann zum Mühlentag oder zum Tag des Denkmals besichtigt werden.
    
 
 
Hochwassermarken   Man wandert am Mühlgraben entlang und kann auf der rechten Seite die Hochwassermarkierungen vom 30.Juli 1897, 6.Juli 1958 und 13.August 2002 entdecken.
Die anstehenden Gesteine sind verschiedenartige Gneise, Gneisglimmerschiefer und Glimmerschiefer. Bei den Gneisen handelt es sich um Muskovit-Biotit-Gneise bzw. um Leptynite und leptynitische Gneise (eine glimmerarme plattige Variante) mit Einschaltungen von Amphibolit und feinkörniger Metagrauwacke ähnelnden Sedimenten.
 
 
 
Bald darauf erreicht man das obere Mundloch der Felsenbach-Rösche und der Kunstgraben wird erstmalig unterirdisch weitergeführt.   oberes Mundloch der Felsenbach-Rösche untere Mundloch der Felsenbach-Rösche
Der Wanderer muß nun den Berg überqueren und findet das untere Mundloch der Felsenbach-Rösche
 
 
oberes Mundloch der Porzellanfels-Rösche Quarzitgestein   Der Weg führt weiter bis zum oberen Mundloch der Porzellanfels-Rösche. In der Nähe des Mundlochs befindet sich ein Stolln, in dem Quarzit abgebaut wurde. Dieses Gestein wurde in der Meißner Porzellanmanufaktur für die Glasurherstellung benutzt.
Oberhalb des Mundloches erinnert eine Gedenktafel an die leitenden Erbauer des Kunstgrabens: Obereinfahrer ERNST VON WARNSDORF (Ob. Ef E v. W.), Obersteiger AUGUST JOBST (Ostg. A.J.), Maschinensteiger GOTTFRIED BEIER (Mstg. G.B.)
  Gedenktafel
 
 
im Tal der Bobritzsch seltene Farne   Weiter geht der Weg durch das wunderschöne Tal der Bobritzsch. Am Wegesrand kann man seltene Farne entdecken, welche von Felsvorsprüngen herab hängen. Eine botanische Besonderheit ist die sogenannte "Zitzenfichte", welche sich in einer Bachkrümmung unterhalb des Weges zur Porzellanrösche befindet. Sie verdankt ihren Namen den verdickten Astansätzen. Ihr Alter wird auf mehr als 200 Jahre geschätzt.   Herbststimmung
 
 
unteres Mundloch Porzellan-Rösche   Vorbei am unteren Mundloch der Porzellan-Rösche kommt man zum oberen Mundloch (Aufschlagrösche) des V. Lichtloches des Rothschönberger Stollns.
Ein Teil des ankommenden Wassers wurde hier abgezweigt, um eine Turbine anzutreiben. Deshalb wurde der Grabenquerschnitt und die Mundlochabmessungen am Grabenabgang verringert.
  verengter Kunstgraben oberes Mundloch (Aufschlagrösche) des V. Lichtloches
 
 
Tafel zum V. Lichtloch   Auf der Halde des V. Lichtloches hat die Gemeinde Reinsberg eine Schutzhütte und einen Kinderspielplatz eingerichtet.
Von den Schachtanlagen sind leider nur noch die Fundamente erhalten.
Etwa die Hälfte des ankommenden Wassers wurde am V. Lichtloch für das Wasserrad und die Turbine verbraucht, das restliche Wasser wurde weiter zum IV. Lichtloch über den Kunstgraben geleitet.
Am unteren Mundloch des V. Lichtloches vorbei führt der Wanderweg weiter am Kunstgraben entlang.
unteres Mundloch des V. Lichtloches
 
 
Damm   Nach dem der Kunstgraben ein kleines Tal überbrückt hat, erreicht er "Beiers Ruhe". An dieser Stelle wurde der Felsen nur durchbrochen und nicht mit einer Rösche durchquert.
  Beiers Ruhe Beiers Ruhe
 
 
Buchenbornrösche   Der Kunstgraben verschwindet an der Buchenbornrösche wieder im Fels und verläuft unter der Erde weiter. Rechter Hand zweigt ein Weg zum "Kroatenstein" ab. Der Gedenkstein erinnert an Lorenz von Schönberg, welcher bei der Eroberung des Schlosses Reinsberg, im Jahre 1632 durch die Österreicher, den Tod fand.   zum Kroatenstein Kroatenstein
 
 
  Nach dem kurzen historischen Abstecher erreicht man das Mundloch der längsten Rösche (950 m), die Reinsberger Rösche. Hier verläßt die Grabentour das Bobritzschtal und der Weg führt vorbei am Campingplatz und am Fundament des Pulverturms weiter zum IV. Lichtloch des Rothschöenberger Stollns.   Fundamente des Pulverturms
 
 
Am IV.Lichtloch des Rothschöenberger Stolln Tafel zum Rothschönber Stolln   Am IV. Lichtloch des Rothschönberger Stollns endet der Kunstgraben, das Wasser wird hier in den Dorfbach geleitet. Das Treibehaus, die Radstubenkaue, das Huthaus, die Bergschmiede und der Zimmerschuppen sind heute technische Denkmale.  
 
 
Treibehaus   IV. Lichtloch des Rothschönberger Stollns
Unter dem Gebäude links befindet sich der Zugang zum Rothschönberger Stolln, der in 80m Tiefe Reinsberg unterquert und eine technische Meisterleistung darstellt.
Radstube Huthaus
 

Fotos: PD Dr. P.G.Dietrich, H.J.Peter, B.Bicher

letzte Änderung: 07/04
Redaktion: B.Bicher
Gestaltung: B.Bicher